80% der weiblichen Sterilität sind hauptsächlich auf die folgenden Gründe zurückzuführen:
- Fortgeschrittenes Alter: Wie wir bereits an früherer Stelle erläutert haben, wissen wir, dass nach dem 35. Lebensjahr die Fortpflanzungsfähigkeit abnimmt und die Wahrscheinlichkeit, nach dem 40. Lebensjahr schwanger zu werden bei unter 10% pro Monat liegt.
- Faktor peritoneale Tuba: Wenn die Eileiter auf irgendeine Weise verletzt wurden.
- Anovulation: Dies bedeutet, dass es zu keinem Eisprung kommt, sei es, weil keine Eizelle gebildet wurde oder weil sie nicht die erforderliche Reife erreicht hat. In diese Gruppe fallen Patienten, die an einem polyzystischen Ovarsyndrom leiden.
- Endometriose: Dies bedeutet, dass sich die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle befindet
Sonstige Risikofaktoren: Myome, Geschlechtskrankheiten, chronische Krankheiten, wie Diabetes, Krebs, Schilddrüsenerkrankungen, Asthma oder Depressionen. Einnahme von Medikamenten, wie Antidepressiva oder Steroide. Übergewicht mit einem Body Mass Index von > 30 oder Untergewicht von über 25%.
Tuboperitonealer Faktor
Ca. 25% der Fälle weiblicher Sterilität sind auf einen „tubarischen Faktor“, also auf eine Störung in den Eileitern, zurückzuführen. Man kann die Eileiter am besten mit einer Angelrute vergleichen: normalerweise nehmen sie die Eizelle nach dem Eisprung auf, befördern die Spermien zur Eizelle und anschließend die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter. Eine teilweise oder vollständige Schädigung der Eileiter (eine Verklebung bzw. ein völliger Verschluss) verhindert diese Weiterleitung und damit die Befruchtung.
Eine solche Eileiterstörung kann durch Infektionen entstehen, die vom Gebärmutterhals oder der Gebärmutter in die Eileiter aufsteigen („Entzündliche Beckenkrankheit (EIP)) oder aus der Bauchhöhle stammen, wie z.B. eine Blinddarmentzündung. Die an der Entstehung einer EIP am häufigsten beteiligten Keime sind Gonorrhoe und Clamydien sowie andere Krankheitserreger, die eine entzündliche Reaktion auslösen, bei der eine anormale Vernarbung verursacht wird, durch die die richtige Funktionsweise der Eileiter unterbunden wird. Es gibt Schätzungen, wonach durch eine schwere Beckenerkrankung ca. 30%, bei zweimaliger Erkrankung ca. 50% und nach einer dreimaligen Erkrankung bis zu 70% der Frauen steril werden.
Ein weiterer Faktor, der zu einem Eileiterverschluss führen kann, ist ein chirurgischer Eingriff im Beckenraum, durch den die Eileiter verklebt wurden oder eine Endometriose.
Neben der Unmöglichkeit, eine Schwangerschaft zu erzielen, ist der tubo-peritoneale Faktor auch häufig verantwortlich für sog. ektopische Schwangerschaften, also solche, die sich außerhalb der Gebärmutter entwickeln, weil der Durchmesser bzw. das Innere der Eileiter geschädigt wurde und somit unpassierbar ist.
Wenn sich im Eileiter Flüssigkeit ansammelt (Hydrosalpinx), wird er zu einer chronischen Infektionsquelle. Hier wird zunächst eine Exhärese empfohlen, bevor ein FIV-Zyklus durchgeführt wird, denn diese Flüssigkeit kann sich auch nachteilig auf die Implantation eines Embryos auswirken.
Zu den effektivsten Reproduktionsbehandlungen zählen – neben der Eileiter-Mikrochirurgie – die komplexen TRA, wie FIV/ICSI.
Polyzystische Eierstöcke
Etwa 20% der Frauen leiden unter polyzystischen Ovarien. Der Begriff „polyzystische Ovarien“ (PO) bezieht sich auf das Aussehen der Eierstöcke in Ultraschallbildern, auf denen eine erhöhte Anzahl kleiner Zysten (Antrumfollikel) auf der Oberfläche der Ovarien zu sehen ist. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Frauen mit PO, die keine Probleme mit dem Eisprung haben und schwanger werden.
Einige Frauen mit dieser charakteristischen Ultraschall-Diagnose haben zudem das „polyzystische Ovarien-Syndrom“ (POS). Bei diesen Frauen verursachen die Hormonstörungen unregelmäßige Menstruationszyklen bzw. das völlige Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe) und haben wegen des fehlenden Eisprungs Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Folgende Erläuterung soll Ihnen dabei helfen, den Vorgang besser zu verstehen: Eine Frau hat normalerweise in regelmäßigen Abständen 12 x pro Jahr einen Eisprung. Erfolgt die Menstruation jedoch nur alle 3 Monate, hat sie theoretisch auch nur 4 x pro Jahr einen Eisprung. Es kommt auch häufig vor, dass selbst bei einer vorhandenen Menstruation eine Anovulation vorliegt, weshalb es wahrscheinlich ist, dass sie das ganze Jahr unter diesem Problem leidet.
Der erste Schritt einer Behandlung besteht darin, ein normales Gewicht zu erreichen. Hierzu zählt bei Übergewicht oder Bluthochdruck auch Gymnastik bzw. Sport. Sofern dadurch die Menstruationszyklen und der Eisprung noch nicht reguliert werden konnte, wird der nächste Schritt in einer Behandlung mit Arzneimitteln bestehen, die die Hormonfunktion regulieren und den Eisprung anregen sollen (Clomifenzitrate, Metformin). Ferner kommt auch ein „Ovarian Drilling“ in Betracht (das Bohren kleiner Öffnungen in der Oberfläche der Eierstöcke mithilfe von Wärme bzw. Laser), um das hormonelle Mikroklima der Ovarien zu verbessern. Unsere Klinikgruppe benutzt diese Option allerdings als letzte Möglichkeit, da wir es zuerst mit den FIV-Zyklen versuchen würden.
Endometriose
Zwischen einer Endometriose und einer Sterilität besteht wohl ein unmittelbarer Zusammenhang, denn scheinbar leiden rund 10% aller Frauen und 35% der Sterilitätspatientinnen darunter.
Bei einer Endometriose wird das Gewebe, das normalerweise die Gebärmutter auskleidet, an anderen Organen, wie den Eierstöcken, Eileitern, dem Darm, der Harnblase, dem Bauchfell und mitunter sogar an weiter entfernt liegenden Organen, wie den Lungen gefunden. Sie kann bei allen Frauen auftreten, die eine Menstruation haben, selbst bei ganz jungen.
Die meisten Frauen mit Endometriose leiden während der Menstruation an Symptomen, wie Schmerzen (Dismenorrhoe), die jedes Mal stärker werden und auf die üblichen Behandlungen nicht ansprechen, oder Blutungen, die entweder sehr stark oder sehr schwach ausfallen können, Sterilität und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Koitalgie). Daneben kann es auch zu Blutzysten in den Ovarien kommen, die wegen ihrer bräunlichen Farbe als „Schokoladenzysten“ bezeichnet werden.
Eine Verdachtsdiagnose kann von der Klinik anhand einer Ultraschalluntersuchung gestellt werden, auf der die Schokoladenzysten sichtbar werden. Die präzise Diagnose kann allerdings nur mithilfe einer Laparoskopie durch eine direkte Darstellung der Verletzungen, die mitunter winzig sind, gestellt werden.
Es ist nicht geklärt, warum eine leichte oder mittelschwere Endometriose mit Sterilität einhergeht, man nimmt aber an, dass die Funktionsweise der Eileiter durch den entzündlichen und Narben verursachenden Prozess des endometriotischen Gewebes geschädigt wird. Allerdings spielen häufig auch erbliche Faktoren und das mögliche Vorhandensein von Eizellen schlechterer Qualität eine Rolle.
Ein chirurgischer Eingriff per Laparoskopie (Diathermie/ Argon/ Exhärese) verbessert die Fruchtbarkeit der Patientin im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung, die besser für die Schmerztherapie eingesetzt werden kann.
Im Falle einer schweren Endometriose, insbesondere, wenn Schokoladenzysten festgestellt wurden, kann vor der Aufnahme einer Reproduktionsbehandlung ein chirurgischer Eingriff die einzige Lösung sein. Diese Feststellung muss ein Gynäkologe treffen, der die Größe der Zyste und die Follikelreserve bzw. Funktionsfähigkeit des betroffenen Eierstocks beurteilen muss. Bei Vorliegen einer mit Sterilität einhergehenden Endometriose wäre dann eine IVF das Mittel der Wahl, wenn andere Techniken versagt haben. Eine Schwangerschaft ist zudem eine hervorragende temporäre Therapie zur Besserung einer Endometriose.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass - obwohl die Krankheit nicht geheilt werden kann - die Behandlungen dazu dienen, die Schmerzen (insbesondere die Menstruationsschmerzen) gem. den Bedürfnissen der betroffenen Patienten zu lindern, einer Verschlimmerung vorzubeugen und, sofern gewünscht, eine Schwangerschaft herbeizuführen.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser können die Schmerzen vermieden werden, die die Krankheit im Beckenraum verursacht und desto besser ist auch die Erfolgschance, eine Schwangerschaft zu erzielen. Auf diese Weise kann einer Sterilität durch Endometriose vorgebeugt werden.
Ovulatorische Störungen
Die Probleme, die zum Zeitpunkt des Eisprungs auftreten können, sind die häufigsten Gründe für die weibliche Unfruchtbarkeit (25%). Sie entsteht als Folge von Hormonstörungen vs. unzureichender Entwicklung der Eierstöcke. Übrigens gehört diese Ursachen für eine Sterilität zu denen mit den besten Erfolgsaussichten, sobald die Diagnose gestellt und eine Behandlung festgelegt wurde. Ca. 35% der Frauen haben irgendwann einmal eine Anovulation. Der Ursprung dieser Hormonstörung kann im Hypothalamus, in der Hypophyse oder in den Eierstöcken selbst liegen. Stress, bedeutende Gewichtsab- oder –zunahmen, übermäßige Produktion von Prolaktin (dem für die Muttermilcherzeugung verantwortlichen Hormon) und polyzystische Ovarien, die wegen ihrer Komplexität und Häufigkeit gesondert behandelt werden, gehören zu den wichtigsten Faktoren für derartige Störungen.