Etwa 30% dieser Gründe sind “männlicher” Natur: Veränderungen im Bereich der Hoden, Verschluss der Samenleiter, Erkrankungen der Prostata, Störungen bei der Ejakulation oder Erektion und Veränderungen des Samens. 30% sind „weiblicher“ Natur, wie eine vorzeitige Menopause, Endometriose, Verschlüsse oder Schädigungen der Eileiter, Gebärmutter- oder Gebärmutterhals-Anomalien oder ovulatorische (den Eisprung betreffende) Probleme. Weitere 20% sind auf eine Mischung bzw. Kombination der vorgenannten Ursachen zurückzuführen, die bei beiden Partnern zu suchen sind. Wir ziehen es im Übrigen vor, von Ursachen oder Gründen zu sprechen, die bei beiden Partnern liegen, denn – egal, um welches Problem es sich handelt – immer ist die Mitwirkung beider Partner von entscheidender Bedeutung. Bei den restlichen 20% handelt es sich um unerklärliche Ursachen, was nicht bedeutet, dass es keinen Grund für die Sterilität gibt, sondern nur, dass dieser Grund eben nicht geklärt werden kann.
Zur Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit wird eine Analyse durchgeführt, bei der die Anzahl, Aktivität und Form der Spermien getestet wird. Ein Ergebnis, das schnell und einfach zur Befruchtung führen würde, wäre eine Spermienzahl von mehr als 39 Millionen im Gesamt-Ejakulat mit mindestens 32% progressiver Beweglichkeit und mindestens 4% mit normaler Form. Bei einer geringeren Anzahl nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft hingegen beträchtlich ab.
Allgemein gesagt ist für die männliche Reproduktion eine normale sexuelle Funktionsfähigkeit (Erektion und Ejakulation) und eine normale Spermienfunktionsfähigkeit (Spermatozoen) erforderlich. Die wichtigsten Gründe für die männliche Unfruchtbarkeit sind:
Fehlfunktionen im Genitalbereich, die es unmöglich machen, dass der Samen während des Geschlechtsverkehrs tief genug in die Vagina gelangt (Erektionsstörungen, keine Ejakulation)
Es können auch physische Anomalien - z.B. der Harnröhre - vorliegen, bei der diese entweder tiefer liegt, als normal (Hypospadie) oder höher (Epispadie) oder auch ein stark gekrümmter oder sehr kleiner Penis oder die Patienten sind stark übergewichtig. Schwere Erektionsprobleme, eine sehr schnelle oder stark verzögerte Ejakulation bzw. andere Ejakulationsprobleme (Ejakulation gegen die Harnblase, die sog. „retrograde Ejakulation“, die häufiger bei Diabetikern vorkommt oder das Ausbleiben einer Ejakulation) können ebenfalls verhindern, dass das Sperma in die Vagina gelangt.
Störungen der Samenproduktion (Abnahme der Anzahl bzw. Qualität der Spermien)
Der Samen kann auch nur wenige Spermatozoen (Oligozoospermie) oder womöglich gar keine enthalten (Azoospermie). Dies ist auf Probleme mit ihrer Erzeugung in den Hoden zurückzuführen. Die zugrundeliegende Ursache kann in den im Gehirn befindlichen Drüsen (Hypophyse und Hypothalamus) liegen, die die Hormone zur Erzeugung der Spermatozoen regulieren oder es können genetische Störungen vorliegen (Klinefelter-Syndrom – Veränderungen der im Y-Chromosom enthaltenen Gene, die die Erzeugung der Spermatozoen regulieren, etc.). Und es kann eine ganze Reihe an Problemen in den Hoden selbst geben: fehlende Entwicklung, anormale Entwicklung, Hodenfehlstand (Hodenhochstand: die Hoden sind nicht in den Hodensack gewandert, Verletzungen, sexuell übertragbare Entzündungen, Tumore, Kontakt mit toxischen Produkten, Chemotherapie und Röntgenbestrahlungen, Varikozele, etc.
Desweiteren kann es vorkommen, dass sich im Samen durch Verschluss der Samenleiter gar keine oder nur eine sehr geringe Anzahl an Samenzellen befinden. Dies kann verschiedene Ursachen haben: kein Vorkommen aufgrund eines Verschlusses in den Samenleitern (oft in Verbindung mit dem Gen der zystischen Fibrose), Entzündungen, Tumore, Verletzungen, unabsichtliche Schädigungen durch chirurgische Eingriffe, Vasektomie, etc.).
Die vorhandenen Spermien können auch Anomalien in ihrer Beweglichkeit (Asthenozoospermie), in ihrer Form (Teratozoospermie) oder in ihrer Vitalität (Nekrozoospermie) zeigen, die auf folgende Probleme zurückzuführen sind: Infektionen, Antikörper (die sich gegen die Spermatozoen richten), Veränderungen in der Chromosomenzahl, die durch einen „FISH“-Test (fluorescence in situ hybridization) festgestellt werden können, Brüche in der DNA (im Kopf der Spermatozoen enthaltenes, genetisches Material), Oxidationsphänomene, Varikozele (anormale Vergrößerung der Venen (Krampfadern) und zwar hauptsächlich der Venen aus dem linken Hoden), etc.
Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Gründe, die die Anzahl und Qualität der Spermien beeinträchtigen können. Hierzu zählen insbesondere auch so wichtige Krankheiten, wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Nieren- und Leberinsuffizienz, aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente (mit negativen Auswirkungen auf die Hormone, den Sexualtrieb oder die Hodenfunktion, etc.) sowie Drogen, Tabak und Stresssituationen.
Es sollte nicht unterschätzt werden, wie empfindlich die Spermatozoen und die Zellen ihrer Vorstadien sind und wie schnell sie oft durch schwierig zu bestimmende Faktoren, die den Grund für die männliche Unfruchtbarkeit bilden, in Mitleidenschaft gezogen werden.